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      Schulchronik  
       
         
      Ramsbeck und seine Schule  
       
         
     
von Siegfried Haas
 
         
         
     
     
  1. Anfänge  
 

Die vermutlich älteste urkundliche Erwähnung pädagogischer Versuche in der Bergfreiheit Ramsbeck findet man in der Kopfschatzung des Jahres 1685 : In der Auflistung der 61 Einwohner, die älter als 12 Jahre sind, wird auch ein „armer, lahmer Schulmeister“ mit seiner Frau genannt. Im Hochsauerland, dessen Landesvater der Kölner Erzbischof und Kurfürst war, versorgten in damaliger Zeit oft Militärinvaliden oder etwas intelligentere Tagelöhner wie Schuster, Schneider oder Dorfmusikanten die Jugend des Dorfes mit geistiger Nahrung. Dabei war ein bisschen stümperhaftes Lesen – ans Schreiben ward selten gedacht – und ein gedankenloses Auswendiglernen des Katechismus das non plus ultra.

Zu den Aufgaben der Landkinder gehörte damals zur Sommerzeit das Hüten von Gänsen, Ziegen, Rindvieh und Pferden. Größere Kinder halfen den ganzen Tag in der elterlichen Landwirtschaft. Nur in der Winterzeit erhielten diese Kinder Unterricht in der engen Privatstube oder Werkstätte des „Schulmeisters“. Dass das Werkzeug sehr häufig als Züchtigungsmittel zweckentfremdet wurde, versteht sich am Rande. Die Bezahlung erfolgte in Naturalien wie Roggen, Fleisch oder Eier. Diese Regelung war für den „Pädagogen“ jedoch weniger vorteilhaft, denn die Eltern schickten ihre Kinder oft nicht zum Unterricht.

Ramsbeck gehörte zum Kirchspiel Velmede, der jeweilige Pfarrer hatte die Schulaufsicht, denn alle Volksschulen waren Pfarr- oder Klosterschulen. Anstellungen und Prüfungen lagen allein in den Händen des Pfarrers. Die gesamte Oberaufsicht hatte der Erzbischof von Köln oder ein von ihm eingesetzter Dechant. In der Niederschrift über die Generalvisitation für die Pfarrkirche Velmede vom 20. Mai 1717 ist u.a. zu lesen: „Da die Pfarrei sehr ausgedehnt ist und die Dörfer sehr weit auseinanderliegen, so dass ein ludimagister ( = Schulmeister) der Jugend nicht gerecht werden kann, wird beschlossen und festgesetzt, wenn die Pfarrgemeindemitglieder zustimmen, dass zwei ludimagistri zur Unterstützung des Pfarrers hinzugenommen werden, und zwar einer für die Jugend der Dörfer Velmede, Bestwig, Ostwig, Halbeswig und Grimlinghausen, der andere für die übrigen Dörfer: Heringhausen, Berlar, Ramsbeck, Wasserfall, Wiggeringhausen und Gevelinghausen, für deren Gehalt aus jedem Haus jährlich ein Spind Winterweizen gezahlt werden soll.“

Anlass dieser Verfügung war wohl die Klage des Velmeder Pfarrers Schulten über die Eingesessenen von Ramsbeck, die widerrechtlich einen privaten Schulmeister beschäftigt hatten. Sie sollten ihn gefälligst wieder aus dem Schuldienst jagen, ihre Kinder zum Schulmeister in Heringhausen schicken und diesem auch das schuldige Spind Roggen pro Jahr zahlen. Auch die Wasserfäller Eltern hatten dem Schulmeister in Heringhausen den Roggen nicht mehr geliefert. Da in Wirklichkeit die Kinder von ihren Eltern wegen schlechter Witterung und kaum passierbarer Wege kaum zur Schule geschickt wurden und nie richtig Lesen und Schreiben lernten, wie die drei Kreuzchen als Unterschrift in Urkunden beweisen, wollten die Bauern aus den Dörfern verständlicher Weise dem Schulmeister auch nichts bezahlen. Manchmal half nur eine Strafexekution des Amtsdrosten, damit Roggen oder Geld eingetrieben werden konnte und der arme Dorfschulmeister nicht ganz verhungerte. Eine Schulpflicht im heutigen Sinne gab es damals noch nicht.

An den Verhältnissen änderte sich in den folgenden Jahrzehnten kaum etwas. Am 18. September 1755 richtete Pfarrer Rupertus Raht aus Velmede einen Beschwerdebrief an das Generalvikariat mit folgendem Auszug: „Ich sehe mich zu meinem Bedauern gezwungen, Euer Hochwürden vertraulich mitzuteilen, dass die Jugend in unserer Pfarrei Velmede wegen der Sorglosigkeit der Eltern außerordentlich vernachlässigt wird. Ein großer Teil der Jugend wird nämlich entweder überhaupt nicht zur Schule geschickt oder nur einige Wochen im Winter. Ganz besonders schuldig sind die in Ramsbeck, Wasserfall und Hissmecke (Anm.: Um das Jahr 1850 aufgelöstes Bauerngut zwischen Andreasberg und Haardt); aber andere Dörfer können nicht freigesprochen werden ... Hieraus folgt, da die Eltern selbst ungebildet sind, dass die schwach begabten Kinder wie ein Pferd und Maultier erzogen werden und, was am schlimmsten ist: Jede Ermahnung und Drohung meinerseits, ja sogar die Anordnung des Hochwürdigsten Dechants von Meschede wird nicht beachtet. Also bleibt solchen Leuten nur die ewige Verdammnis.“

 
     
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